Die Umstellung auf CO₂-freie Prozesse bis 2045 stellt viele Unternehmen vor große technische und wirtschaftliche Herausforderungen.
Im Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA) untersucht die Sächsische Energieagentur – SAENA GmbH seit 2024 den Stand der Dekarbonisierung in 19 Branchen der sächsischen Wirtschaft. Grundlage sind Experteninterviews und Onlinebefragungen, mit denen Tendenzen, Hemmnisse und Chancen der Transformation erfasst werden.
Ziel des Projekts ist es, Handlungsbedarfe zu identifizieren und Transformations-pfade aufzuzeigen. Dabei werden Schlüsseltechnologien wie Elektrifizierung und grüner Wasserstoff hinsichtlich ihrer technischen und wirtschaftlichen Machbarkeit bewertet.
Die Ergebnisse werden in branchenspezifischen Steckbriefen zusammengefasst und liefern praxisnahe Empfehlungen. Das Projekt richtet sich insbesondere an Unternehmen, die nicht am Emissionshandel teilnehmen und sich am Beginn ihrer Dekarbonisierung befinden – und unterstützt sie gezielt auf dem Weg zur Klimaneutralität.
„Am Standort von Felix Schoeller in Weißenborn werden Spezialpapiere in energieintensiven Prozessen hergestellt. Die dafür benötigte Energie (Strom und Dampf) wird bisher hauptsächlich in einem eigenen Gaskraftwerk erzeugt. Im Zuge der Nachhaltigkeitsstrategie des Konzerns sind die Reduzierung des CO2-Fußabdrucks und die damit verbundene Minderung der Nutzung derzeit kostengünstiger fossiler Brennstoffe wichtige Ziele. Darüber hinaus spielt die Verringerung der Abhängigkeit vom Gas-Beschaffungsmarktes eine wichtige Rolle. Durch den Einsatz einer Hochtemperatur-Wärmepumpe im Rahmen des durch die EU geförderten Projektes Push2Heat können umfangreich vorhandene Abwärmepotentiale für die Wiedereinspeisung als Prozessdampf für Trocknungsprozesse nutzbar gemacht werden und so einen wichtigen Beitrag zur Steigerung der Energieeffizienz sowie Dekarbonisierung leisten.“
(Felix Schoeller GmbH & Co. KG, Standort Weißenborn)
„Die Papierindustrie gehört zu den energieintensiven Branchen und steht durch eine hohe Exportquote im internationalen Wettbewerb. Derzeit noch relative günstige fossile Energieträger Kohle und Erdgas spielen momentan eine dominante Rolle, wobei die ersten Inbetriebnahmen zur Energiegewinnung aus Biomasse im Jahr 2025 verkündet wurden.
Für die Dekarbonisierung benötigen Unternehmen der Branche vor allem die Verfügbarkeit CO2-freier Energieträger zu wettbewerbsfähigen Preisen, flexible Lösungen für den regionalen Netzausbau sowie passende Förderangebote. Hierbei sollten neben Solar, Wind und Hochtemperatur-Wärmepumpen, die Geothermie nicht außer Acht gelassen werden. Es ist aus unserer Sicht notwendig, auch CO2-freie Energieträger mit zu betrachten, die 365 Tage zur Verfügung stehen.
Die Bearbeitung der Projekte und Anträge zur Dekarbonisierung der Industrie
sollten deutlich vereinfacht und beschleunigt werden.“
(Verband Nord- und Ostdeutscher Papierfabriken e. V.)
„Kurzsichtige aber weitreichende politische Entscheidungen bringen unser bisher wirtschaftlich sehr erfolgreiches Unternehmen perspektivisch in existenzielle Not.
Um die nationalen CO2-Ziele zu erfüllen, dürfen in der Industrie ab 2039 keine fossilen Brennstoffe mehr zur Wärmegewinnung verbrannt werden. Nicht immer ist es jedoch möglich, durch einen simplen Wechsel des Energieträgers bzw. der Wärmequelle diese Forderung zu erfüllen. Im Falle der Gießerei Elsterberg bedeutet es unter den vorhandenen technischen Optionen, entweder den Standort zu wechseln oder das Unternehmen zu schließen. Ein Umbau bei laufendem Betrieb wäre unmöglich.
Dabei ist das bei uns angewandte Verfahren des Schmelzens von Eisen mit Koks energetisch und umwelttechnisch den Alternativen überlegen: Der Gesamtwirkungsgrad der eingesetzten Energie ist bei der direkten Verbrennung von Koks deutlich höher als er durch die mehrfache Umwandlung der Energieformen bei der Herstellung elektrischen Stroms zuzüglich dessen Transportverluste sein könnte. Dazu bietet der Kupolofen als schachtförmiges Schmelzaggregat die Möglichkeit des Recycelns „schlechter“, ungereinigter Schrotte, die in elektrischen Induktionsöfen aufgrund ihrer schlechten magnetischen Ankopplung nicht eingesetzt werden können. Der Standort des Unternehmens am Rande einer Kleinstadt und an der Landesgrenze zwischen Sachsen und Thüringen gelegen, ist nicht an ein leistungsfähiges Stromnetz angebunden, das die notwendige Energie für das elektrische Schmelzen bereitstellen könnte, die maximale Grenze der vom Netzbetreiber gewährten Anschlussleistung wurde bereits seit Jahren erreicht. Die Topografie des historisch gewachsenen Standorts erlaubt außerdem keinen einfachen Verfahrenswechsel, die Aufwendungen dafür gleichen einem kompletten Betriebsneubau. Auch diesen könnte das Unternehmen unter Inanspruchnahme öffentlicher Förderung vielleicht stemmen. Nur die Kosten der notwendigen Elektroenergie und der „sauberen“ Einsatzstoffe liegen um ein Vielfaches über denen der bisher verwendeten und stellen die Wirtschaftlichkeit einer solchen Investition nach deren Fertigstellung zusätzlich infrage. Es gibt bisher scheinbar nur schlechte Lösungen. Unsere Hoffnung liegt auf der öffentlichen Strukturförderung für den Netzausbau und in der Anwendungsforschung, die im Freistaat Sachsen an alternativen Brennersystemen arbeitet. Das Prinzip Hoffnung zur Grundlage für Entscheidungen über die weitere Unternehmensentwicklung zu machen, ist jedoch wie das Fliegen eines Jets auf Sicht - man kann es für kurze Zeit aber es ist äußerst gefährlich.“
(Gießerei Elsterberg GmbH)
Neue Kurzfilmreihe "Dekarbonisierung der sächsischen Wirtschaft"
Die SAENA freut sich, die Veröffentlichung ihrer neuen Kurzfilmreihe zum Thema Dekarbonisierung der sächsischen Wirtschaft bekannt zu geben. In den drei Videos stellen Lösungsanbieter innovative Technologien vor, die Unternehmen bei der Dekarbonisierung unterstützen können.
Die Videos zeigen das breite Spektrum an Möglichkeiten auf: Unternehmen und Forschungseinrichtungen berichten von ihren Innovationen in den Bereichen Wasserstoff erzeugen und speichern, Hochtemperaturprozesse effizient betreiben und Rest- und Abfallstoffe nutzen. Damit liefern sie konkrete Ansätze, wie durch moderne und nachhaltige Technologien die Energieeffizienz in den Unternehmen gesteigert werden kann.
Die Videos sind ab sofort auf der Website und dem YouTube-Kanal der Sächsischen Energieagentur verfügbar.
Über die Kompetenzstelle Energieforschung Die Kurzfilmreihe entstand im Rahmen der Arbeit der Kompetenzstelle Energieforschung. Ziel der Kompetenzstelle ist es, kleine und mittlere Unternehmen (KMU) auf ihrem Weg hin zur klimaneutralen Produktion zu unterstützen. Die Kompetenzstelle wird vom Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz (SMWA) finanziert.