EDL-G 2015

Energiedienstleistungsgesetz

Mit dem EDL-G wurde für Nicht-KMU die Pflicht zur Durchführung von Energieaudits gesetzlich verankert. Die Erstauditierung muss bis spätestens 5. Dezember 2015 erfolgen. Danach muss ein Energieaudit mindestens alle 4 Jahre wiederholt werden. Die zuständige Behörde (BAFA) führt dazu im kommenden Jahr stichprobenhafte Kontrollen durch.

Hintergrund des Gesetzes

• Auschlaggebend für die Verabschiedung des EDL-G 2015 ist die europäische Energieeffizienzrichtlinie (Richtlinie 2012/27/EU).

• Ziel des EDL-G ist es bis zum Jahr 2020 20 % weniger Energie zu verbrauchen.

• Zur Erreichung dieses Ziels sollen Energieeffizienzmechanismen und Anreize geschaffen sowie der institutionelle, finanzielle und rechtliche Rahmen vorgegeben werden.

• Bei der Umsetzung von Effizienzmaßnahmen schreibt das Gesetz der öffentlichen Hand eine eindeutige Vorbildfunktion vor.

Einordnung als Nicht-KMU

• Nicht-KMU sind verpflichtet bis zum 5. Dezember 2015 ein Energieaudit durchführen zu lassen ("Einordnung Nicht-KMU").

• Alle wirtschaftlich tätigen Einheiten mit mehr als 250 Mitarbeiter oder mit mehr als 50 Mio. Euro Jahresumsatz (bzw. 43 Mio. Euro Jahresbilanzsumme) sind als Nicht-KMU zu definieren.

• Alle verbundenen Unternehmen und Partnerunternehmen sind dabei zu berücksichtigen.

• Problematisch ist die Frage der Einordnung als Nicht-KMU im Bereich der öffentlichen Hand.

• Kommunale Unternehmen finden wichtige Informationen im Bereich "Energieeffizienz in Kommunen" - Energie-Audit sowie im Merkblatt "Auditierungspflichten im Bereich der öffentlichen Hand".

Ist es nicht eindeutig klar, ob eine Einstufung als Nicht-KMU vorliegt oder nicht, schildern Sie Ihren Fall bitte ausführlich (!) folgendem Referat des BAFA:

 

Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle

Referat 426 (Energieberatung, Mittelstand, Energieaudit)

Mail: Energieaudits@bafa.bund.de

Tel.: 06196 908-1240

Ansprüche an das Energieaudit

• Das Energieaudit muss einem Audit nach DIN EN 16247-1 entsprechen und ist von einer fachkundigen Person durchzuführen.

• Mindestens 90 % des gesamten Energieverbrauchs müssen erfasst werden (10 % des Energieverbrauchs können (wahlfrei) vom Audit ausgenommen werden).

• Alle Anlagen, Standorte, Gebäude, Prozesse, Einrichtungen sowie der Transport des Unternehmens müssen aber erfasst werden, wobei alle Energieträger zu berücksichtigen sind (Strom, Brennstoffe, Fern-/ Nahwärme, Kraftstoffe, etc.).

• Bei unverhältnismäßigem Aufwand zur Ermittlung des Energieverbrauchs sind nachvollziehbare Hochrechnungen (bzw. bei Beleuchtung und Bürogeräten sind Schätzungen) zulässig.

• Der Bezugszeitraum muss für alle Energieträger identisch sein und 12 aufeinander folgende Monate erfassen.

• Anschließend müssen mindestens alle 4 Jahre Energieaudits wiederholt werden (ausschlaggebend dafür ist das Datum des 1. Energieaudits).

• Die Anforderungen der Folge-Audits entsprechen in jedem Punkt denen des ersten Energieaudits.

In der folgenden Infobox ist § 8a Abs. 1 Nr. 2-5 EDL-G zitiert, welcher die Ansprüche an das Energieaudit beinhaltet.

 „Das Energieaudit muss auf aktuellen, kontinuierlich oder zeitweise gemessenen, belegbaren Betriebsdaten zum Energieverbrauch und zu den Lastprofilen basieren, wobei für gängige Geräte, für die eine Ermittlung des Energieverbrauchs mittels Messung nicht oder nur mit einem erheblichen Aufwand möglich ist, der Energieverbrauch auch durch nachvollziehbare Hochrechnungen von bestehenden Betriebs- und Lastkenndaten ermittelt werden kann und für Geräte zur Beleuchtung und für Bürogeräte eine Schätzung des Energieverbrauchs mittels anderer nachvollziehbarer Methoden vorgenommen werden kann. Eine eingehende Prüfung des Energieverbrauchsprofils von Gebäuden oder Gebäudegruppen und Betriebsabläufen oder Anlagen in der Industrie einschließlich der Beförderung muss mit eingeschlossen werden. Es soll nach Möglichkeit auf einer Lebenszyklus-Kostenanalyse anstatt auf einfachen Amortisationszeiten basieren. Das Energieaudit muss verhältnismäßig und so repräsentativ sein, dass sich daraus ein zuverlässiges Bild der Gesamtenergieeffizienz ergibt und sich die wichtigsten Verbesserungsmöglichkeiten zuverlässig ermitteln lassen.“

Ansprüche an Auditoren

• Energieaudits sind von fachkundigen Personen durchzuführen.

• Fachkundig bedeutet erstens eine einschlägige Ausbildung (Studium, berufliche Qualifikation zum/zur staatlich geprüften Techniker(-in) oder Meisterabschluss bzw. gleichwertiger Weiterbildungsabschluss) und zweitens eine mindestens dreijährige hauptberufliche Tätigkeit im Bereich der Energieberatung.

• Energieaudits sind von der durchführenden Person in unabhängiger Weise (hersteller-, anbieter- und vertriebsneutral) durchzuführen.

• Generell kann ein Energieaudit von einer unternehmensinternen Person durchgeführt werden (die Person darf aber nicht unmittelbar einer Tätigkeit nachgehen, bei der ein Energieaudit durchgeführt wird und muss zusätzlich der Unternehmensleitung direkt unterstellt und weisungsfrei sein)

Der § 8b Abs. 2 EDL-G gibt die Ansprüche an Auditoren exakt wieder.

„Das Energieaudit ist in unabhängiger Weise durchzuführen. Die das Energieaudit durchführende Person muss das Unternehmen, das sie beauftragt, hersteller-, anbieter- und vertriebsneutral beraten. Die das Energieaudit durchführenden Personen dürfen keine Provisionen oder sonstige geldwerte Vorteile von einem Unternehmen fordern oder erhalten, das Produkte herstellt oder vertreibt oder Anlagen errichtet oder vermietet, die bei Energiesparinvestitionen im auditierten Unternehmen verwendet werden. Wird das Energieaudit von unternehmensinternen Personen durchgeführt, so dürfen diese Personen nicht unmittelbar an der Tätigkeit beteiligt sein, die einem Energieaudit unterzogen wird. Unternehmensinterne Energieauditoren müssen in ihrer Aufgabenwahrnehmung unabhängig sein; sie sind der Leitung des Unternehmens unmittelbar zu unterstellen und in dieser Funktion weisungsfrei. Sie dürfen wegen der Erfüllung ihrer Aufgaben als Energieauditoren nicht benachteiligt werden.“ 

Freistellung von der Auditpflicht

• Wenn zwischen 04.12.2012 und 05.12.2015 ein Energieaudit durchgeführt wurde (nach den o.g. Anforderungen, der DIN ISO 50001 oder dem Umweltmanagement EMAS), gilt die Auditierungspflicht als erfüllt

zusätzliche Informationen

• Energielieferanten müssen Endverbrauchen mind. jährlich auf Angebote von Energiedienstleister sowie auf Anbieter von Energieaudits (die unabhängig von den Energieunternehmen sind) und Energieeffizienzmaßnahmen hinwiesen

• Listen von Anbietern sind z.B. von der Bundesstelle für Energieeffizienz online gestellt oder im Energie-Experten-Portal Sachsens

• Endkunden müssen zusammen mit Verträgen, Vertragsänderungen, Abrechnungen oder Quittungen genaue Kontaktinformationen (inkl. Internetadresse) zu Verbraucherorganisationen, Energieagenturen o.ä. zur Verfügung gestellt werden (von diesen Informationen soll sich der Endkunde u.a. Angaben über angebotene Energieeffizienzmaßnahmen einholen können)

• Sollte eine Antwort des BAFA bzgl. der Einordnung als Nicht-KMU so lange dauern, dass eine Maßnahmenumsetzung zum 05.12.2015 unzumutbar ist, wird das BAFA eine angemessene Frist zur Durchführung eines Energieaudits setzen (ohne Bußgeldverfahren)

Am 9. Juli 2015 fand bei der IHK Dresden ein Workshop zum EDL-G statt. Unter www.dresden.ihk.de/energie stehen die dort gehaltenen Vorträge frei zur Verfügung.