Pilotprojekt Kirchgemeinden
Im Jahr 2009 wurde durch das Evangelisch-Lutherische Landeskirchenamt Sachsen, das Bischöfliche Ordinariat und die Sächsische Energieagentur das Projekt Initialberatung in Kirchgemeinden als Einstieg für das Energiemanagment in kirchlichen Einrichtungen initiiert. Um die ausgearbeiteten Strategien einer ersten Evaluierung zu unterziehen und die Wirksamkeit der Methoden zu überprüfen, startete 2009 ein Pilotprojekt, an dem sich 22 Gemeinden beteiligten.
Teilnehmer in Sachsen
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Auswertung Initialberatungen
Nach der Erfassung der Energieverbrauchswerte durch Vertreter der Gemeinden, wurden ca. 60 Gebäude durch professionelle externe Berater aus energetischer Sicht betrachtet. Dabei wurde die energetische Qualität der Bauwerke und die EffizienzEffizienz (v. lat.: efficere zustande bringen) ist das Verhältnis eines in definierter Qualität vorgegebenen Ziels zu dem Aufwand, der zur Erreichung dieses Ziels nötig ist. Ein effizientes Verhalten führt daher wie auch ein effektives Verhalten zur Erzielung einer Wirkung, hält aber darüber hinaus den dafür notwendigen Aufwand möglichst gering. vorhandener Anlagentechnik sowie das Nutzerverhalten bewertet. Unter den Einrichtungen befinden sich Gebäude verschiedener Baualtersklassen und unterschiedlicher Nutzungen, wie Kirchen, Pfarr- und Gemeindehäuser und Wohngebäude. Für die Auswertung wurden die Gebäude Nutzungsgruppen zugeordnet und die Energieverbrauchswerte klimabereinigt. Im folgenden Diagramm sind die spezifischen Werte für den Heizwärmebedarf dargestellt.
Mehr als 40% der untersuchten Gebäude weisen einen durchschnittlichen Heizwärmebedarf von über 130 kWh/(m²*a) auf. Desweiteren ließ sich aus den ermittelten Daten eine Mustergemeinde generieren, welche eine übliche Gemeinde in Sachsen repräsentiert. Zu ihr gehören eine Kirche, ein Gemeindezentrum, ein Pfarrhaus mit Büro und ein reines Wohnhaus. Der Heizwärmebedarf beläuft sich auf 280.000 kWh und 28.550 kWh Strom. Da-raus ergeben sich laufende Kosten von rund 30.000 EUR pro Jahr.
Anhand der Datenauswertung von derzeit 56 Kirchengemeindegebäuden durch die SAENA wurde ein Gesamtenergieverbrauch von 3617 MWh/a festgestellt.
Maßnahmeempfehlungen und Einsparpotential
Ein wichtiger Bestandteil der Beratungsberichte waren spezielle Maßnahmeempfehlungen zur Energieeinsparung bei den betrachteten Gebäuden. Dabei war bei allen Einrichtungen schon durch die Umsetzung teils einfacher nicht- und geringinvestiver Maßnahmen deutliches Sparpotential ausgewiesen.
Sowohl beim Wärme- als auch beim Stromverbrauch zeigen die Erfahrungen, dass sich durch nicht bzw. geringfügige Investition bis zu 20% einsparen lassen.
Dies entspricht einer CO2-Produktionsverringerung um 198 t/a. Zum Vergleich: Für den Abbau dieser Menge CO2 wäre ein ca. 18ha großer Wald mit 100 Jahre alten Eichen nötig. Aber nicht nur für die Umwelt lohnen sich diese Maßnahmen. Werden die gesamten Kosten betrachtet, sind hier im Jahr Einsparungen von bis zu 1.200 Euro pro Kirchengemeinde möglich.
Bei der Auswertung der in den Beratungsberichten enthaltenen Potentialanalyse zur Energieeinsparung fielen typische Schwachstellen auf, die sich bei vielen Einrichtungen wiederholten. Diese waren:
- Nutzerverhalten
- undichte Türen und Fenster
- Veraltete Beleuchtungssysteme
- unzureichende Dämmung von Rohrleitungen
- Falsche Heizsystemeinstellungen
Zusammenfassend sind im folgenden Abschnitt Möglichkeiten zur Einsparung dargestellt. Diese sind untergliedert nach den aufzubringenden Investitionen und greifen ineinander über.
Nicht investive Maßnahmen
- Regelmäßige Sensibilisierung aller Gebäudenutzer zur Energiesparsamkeit
- Bedarfsoptimierte Heizungsregelung
- Kontrollierte Raumlüftung
- Regelmäßige Kontrolle der Verbrauchsdaten
- Kontrolle der Beleuchtungszeiten
Gering investive Maßnahmen
- Ersetzen alter Glühbirnen durch LED-bzw. Energiesparlampen
- Lichtschaltung wenig genutzter Räume durch Bewegungsmelder
- Dämmung der oberen und unteren Geschossdecken
- Dämmung von Rohrleitungen, Heizung und Warmwasser
- Ersetzen alter Fenster- und Türdichtungen und Verschließen von Fenstern und Türfugen
- Hydraulischer Abgleich der Heizungsanlage
- Installation (automatischer) Türschließer bei häufig genutzten Türen
Investive Maßnahmen
- Erneuerung bzw. Erweiterung der Gebäudedämmung
(Fenster, Wände, Decken) - Erneuerung bzw. Modernisierung der Heizungsanlage
- Einbindung Erneuerbare-Energiesysteme (Solarthermie, Photovoltaik-anlagen, Wärmepumpen....)
Fazit
Durch einen bewussteren Umgang mit Verbrauchern, zum Beispiel dem Aus-schalten von nicht benötigten Leuchten und Heizungen, kontrolliertem Lüften oder dem Abschalten von Geräten im Standby-Betrieb, lassen sich bis zu 5% Strom und Wärme sparen. Durch das korrekte Einstellen der Heizungsanlage(z.B. hydraulischer Abgleich, Sommer-/Winterbetrieb) können weitere 10% eingespart werden. Mit dem Einbau von zwei neuen hocheffizienten Um-wälzpumpen ergibt sich z. B. eine Stromersparnis von 700 kWh (ca. 140 EUR pro Jahr). Die Investition beläuft sich auf lediglich 500 EUR. Bei dem Austausch von 30 Leuchten (Investitionskosten ca. 120 EUR) lassen sich insgesamt 750 kWh (ca. 150 EUR) pro Jahr einsparen. Weitere 7% (ca. 300 EUR) lassen sich durch das bessere Abdichten von Fenstern, Türen und Heizungsrohren erreichen. Werden alle Maßnahmen angewendet, ergibt sich für die Mustergemeinde eine jährliche Energieeinsparung von 20,9%!
Das Diagramm enthält einen Vergleich, wie sich beim durchschnittlichen Heizwärmeverbrauch der Mustergemeinde unterschiedliche Anlagensysteme und Energieträger auf die CO2-Bilanz und die laufenden Heizkosten pro Jahr auswirken. Bei der Kalkulation der Heizkosten werden ausschließlich verbrauchsgebundene Kosten dargestellt.

