Feuchteschäden am Bauwerk - Dauerfrost ist nicht der einzige Grund
Dresden, 23. Februar 2012. Die letzten Baumessen auf denen die Sächsische Energieagentur – SAENA GmbH mit ihren Beratern vertreten war, haben gezeigt, dass Feuchteschäden an Gebäuden ein wiederkehrendes Thema sind. Die Ursachen hierfür können ganz unterschiedlicher Natur sein, aber sie erfordern in jedem Fall Maßnahmen zum Schutz des Bauwerks.
Gerade nach einer strengen Winterperiode mit langanhaltenden Minustemperaturen werden Schäden am Bauwerk oder außenliegenden Verkehrsflächen sichtbar. Eine Frostsprengung aufgrund der Volumenzunahme durch Eiskristallisation ist ein deutliches Zeichen für das Eindringen von Wasser in das Bauteil. Aber auch unzureichende frostsichere Gründungen oder fehlende kapillarbrechende Schichten können das Bauwerk heben und wieder senken, was häufig zu Rissen in Fassade, Fundament oder Zuwegen führt. In Sachsen ist eine frostfreie Gründung von mind. 80 bis 150 cm unter der Geländeoberfläche zu gewährleisten, abhängig von der Wasserdurchlässigkeit des Boden und der Höhenlage des Objektes. Alternativ ist eine ausreichend tiefe Frostschutzschürze als umlaufendes Streifenfundament vorzusehen.
Aber nicht nur der Frost allein führt zu Bauschäden, sondern auch jegliche Art von Wassereinwirkungen auf die Bausubstanz. Vor allem bei alten Gebäuden wurde ein dauerhaft baulicher Feuchteschutz oft ignoriert oder falsch umgesetzt. Heute, im Zeitalter des energieeffizienten Bauens, spielt dieser Feuchteschutz eine bedeutende Rolle. Neuerrichtete oder sanierte bauliche Anlagen müssen so gebrauchstauglich sein, dass durch Wasser und Feuchtigkeit keine Gefahren oder unzumutbare Belästigungen entstehen.
Einflüsse auf die Baukonstruktion haben vor allem Niederschläge auf Dach, Fassade, Balkone und Terrassen oder Spritzwasser im Sockelbereich. Aus dem Baugrund aufsteigende und seitlich eindringende Feuchte ist im Gebäudebestand oft ein Problem. Vor einer wärmetechnischen Sanierung ist das Eindringen von Wasser zu unterbinden. Zur Vermeidung von aufsteigender Feuchte im Mauerwerk müssen Maßnahmen zur Horizontal- und Vertikalabdichtung vorgenommen werden. Durch das Eindringen von Feuchtigkeit in einen Baustoff werden - aufgrund der guten Wärmeleitfähigkeit des Wassers - dessen Wärmedämmeigenschaften verschlechtert. Auf der Außenoberfläche dürfen keine diffusionshemmenden Anstriche aufgetragen werden. In Gebieten mit mittlerer und hoher Schlagregenbeanspruchung ist insbesondere auf der „Wetterseite“ ein besonderer Schutz der Außenoberfläche vor eindringendem Niederschlagswasser zu beachten. Bei Bestandsgebäuden sind Schlagregen gefährdete Fassaden oftmals mit einer hinterlüfteten Verkleidung zu versehen.
Zusätzlich werden über das Regen-, Spritz- oder Grundwasser verschiedenste gelöste Schadstoffe aus der Luft, aus dem Taumitteleinsatz (Streusalz) oder der Landwirtschaft eingebracht. Besondere Vorsicht gilt bei salzbelastetem Mauerwerk. Salz zieht Feuchtigkeit an. Ein hoher Salzgehalt im Mauerwerk stört daher das natürliche Feuchtegleichgewicht. Trocknen Salze innerhalb der Konstruktion aus, vergrößert sich deren Volumen. Bei der Volumenvergrößerung wirkt der Kristallisationsdruck auf die Konstruktion, was zur Zerstörung der Bausubstanz führen kann. Das alleinige Anbringen eines Sanierputzes auf Außenwände, löst dieses Problem nicht dauerhaft. Eine fachgerechte Trockenlegung hilft die Wurzeln des Problems zu beseitigen und ist durch eine genaue Analyse und ggf. eine darauf abgestimmte Salzbehandlung zu realisieren.
Weiteren Einfluss auf den Feuchtegehalt in der Baukonstruktion haben Belastungen in Nassräumen durch Kondensatwasser oder durch zu hohe relative Luftfeuchten in Wohnräumen. Unterstützt durch WärmebrückenÖrtlich begrenzte Schwachstellen in den Außenbauteilen, an denen mehr Wärme nach außen gelangt (Transmission) als bei angrenzenden Flächen oder Bauteilen. Eine Wärmebrücke entsteht bauartbedingt (z.B. an Kanten, Ecken) aber auch aufgrund von Anschlüssen und Durchdringungen oder durch ungedämmte Betonpfeiler, Ringanker, Betonsturzträger, Bal- konplatten. Wärmebrücken lassen sich unterteilen in konstruktive Wärmebrücken, die meist durch Mängel in der Planung und Bauausführung entstehen, und geometrisch bedingte Wärmebrücken. Die Folge der Wärmebrücken sind höhere Wärmeverluste und somit eine niedrigere Oberflächentemperatur auf der Rauminnenseite, wodurch die Gefahr von Tauwasserausfall und Schimmelbildung besteht. Neben den hygienischen Problemen besteht gleichzeitig die Gefahr von Bauschäden durch Schwitzwasserbildung. und Luftströmungen durch Leckagen nach innen oder außen wird die Gefahr von Schimmelbildung erhöht. Auf Wandoberflächen beginnt Schimmelwachstum bereits, wenn die relative Feuchte an der Wandoberfläche über einen Zeitraum von ca. 5 Tagen höher als 80 % ist. Diese Oberflächenfeuchte wird erreicht, wenn bei Wohnräumen mit 20 °C und 50 % Luftfeuchte die Temperaturen an der Wand 12,6 °C unterschreiten. In der Praxis zeigen sich Schimmelflecken sogar schon bei niedrigeren Oberflächenfeuchten mit geeignetem Substrat, z.B. Raufasertapete.
Eine regelmäßige Fensterquerlüftung von feuchtbelasteten Räumen kann helfen, diesen Problemen entgegen zu wirken. In der Praxis stehen noch weitere Strategien zur Verfügung, wie z.B. die Verminderung des Wärmetransportes durch eine ausreichende Dämmung der besonders problematischen Stellen. Die gezielte Erwärmung der betroffenen Oberflächen durch eine geschickte Rohrführung bei der Heizungsinstallation ist eine andere Möglichkeit.
Bei jeder baulichen Maßnahme ist besondere Beachtung auf den baulichen Wärme- und Feuchteschutz zu legen. Zur Sicherstellung hygienisch behaglicher Wohnbedingungen sind ein Mindestwärmeschutz, eine Abdichtung der Gebäude gegen Feuchtigkeit und ein Mindestluftwechsel sicherzustellen. Mangelhafter Feuchteschutz reduziert den Wärmeschutz und schlechter Wärmeschutz führt wiederum zu Feuchtigkeitsschäden und zu höheren Heizenergieverbräuchen.
Endliche Ressourcen und steigende Kosten verlangen danach, Gebäude energieeffizient zu planen, auszuführen und zu betreiben. Die Sächsische Energieagentur – SAENA GmbH hat sich mit der Kampagne „MACH MIT.BAU NACHHALTIG.“ das Ziel gesetzt, technische Möglichkeiten, gesetzliche Standards und Förderungen im Bereich der Energieeffizienz an Gebäuden in unterschiedlichster Form an Interessierte weiterzugeben. In der akzuellen Broschüre „Energetische Sanierung – Ein Praxisleitfaden zur Gebäudehülle“ sind die verschiedenen Komponenten der Gebäudehülle detailliert beschrieben. Praktiker erhalten einen Überblick über energetische Sanierungsmaßnahmen an der Gebäudehülle.
Die Broschüre steht als Download auf www.saena.de unter der Rubrik Publikationen zur Verfügung. Als Leseexemplar können Sie diese auch über info@saena.de oder per Fax 0351 4910 3155 kostenfrei bestellen. Für offengebliebene Fragen nehmen Sie mit den Beratern der SAENA Kontakt auf Tel.: 03573/4910 3179
Auf der Messe HAUS 2012 in Dresden können die Besucher direkten Rat bei SAENA suchen. Am Stand C4, Halle 4 kann auch die Wanderausstellung-Passivhaus besichtigt werden. Die Ausstellung tourt seit 2009 durch Sachsen und beschreibt beispielhaft die zukunftsweisende Bauweise des Passivhauses
Die Sächsische Energieagentur - SAENA GmbH ist das unabhängige Kompetenz- und Beratungszentrum zu den Themen erneuerbare Energien, zukunftsfähige Energieversorgung und Energieeffizienz. Gesellschafter sind der Freistaat Sachsen und die Sächsische Aufbaubank - Förderbank -.
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